Beckenboden To Go – Folge 30: Urvertrauen

Heute begrüßt das Bewegungszentrum Norderstedt im Podcast „Beckenboden to go“ Sarah Ege. Sarah war schon einmal zu dem Thema Wochenbett im Podcast zu Gast. In die Folge reinhören kannst du hier. 

 

In der heutigen Folge geht es um das Urvertrauen.

 

Die heutige Folge ist nicht wissenschaftlich geprüft, die Infos kommen aus unseren Herzen und unserem Becken.

 

In der letzten Folge ging es im Wochenbett darum, dass man auch zulassen soll, dass der Beckenboden weich ist. In der Physiotherapie spricht man häufig davon, dass der Beckenboden stark und fest sein muss. Was ist eigentlich so wichtig daran?

Der Zusammenhang zwischen Weichheit und Stärke hängt ist beim Beckenboden sehr stark. Ich hatte das für mich gedanklich immer voneinander abgetrennt, aber dem ist nicht so, denn es geht Hand in Hand. Je stabiler ich in der Mitte bin, desto mehr kann ich mich mit Leichtigkeit öffnen. Auch andersherum: Erst wenn ich weich bin, komme ich auch in die tiefe Muskulatur.

 

Intuitives Bewegen: Wie kann ich mir das vorstellen?

Als Sportwissenschaftlerin komme ich aus dem sehr körperlichen Bereich und habe auch viel Wert auf Alignement gelegt. Und in diesem Bezug habe ich natürlich auch viel auf die Ausrichtung geachtet. Denn wenn ich nicht bei mir bin, dann können

einige Positionen/Haltungen auch schaden. Auch gerade in der Arbeit mit unserer Mitte geht es schon viel darum, wie man sein Becken überhaupt richtig positioniert, damit alles so arbeiten kann, wie es soll. Denn wenn ich mit einer falschen Haltung

meine Beckenbodenübungen mache, dann sind sie einfach nicht so effektiv oder man trainiert sich gar in eine Fehlhaltung. Dadurch, dass die Haltung/Positionierung in meinem Beruf immer eine große Rolle spielte, habe ich schon fast verlernt, wie ich in mich selber hineinhorchen kann und auch auf meine Körper zu vertrauen. Wenn mein Körper mir beispielsweise sagt, dass die Knieposition so in Ordnung für mich ist, auch wenn’s vielleicht nicht der perfekte Winkel ist, ich aber mein Becken so viel besser fallen lassen kann, dann ist das auch in Ordnung. Und damit tue ich mir dann nichts Schlechtes, sondern sogar was Gutes!  Ich habe gemerkt, wenn ich es schaffe, die Frauen bei sich ankommen zu lassen, dann können sie sich auch wieder mehr aus ihrer eigenen Mitte heraus bewegen. Wenn wir uns selbst nicht richtig spüren können, dann fällt es natürlich auch viel schwerer das Feedback des eigenen Körpers zu hören. Daher ist es ganz wichtig auch erstmal in das spüren

hineinzukommen und seinen Körper zu verstehen. Wenn ich wieder lerne richtig in meinen Körper einzutauchen, dann brauche ich auch weniger Hilfestellung bei der richtigen Körperhaltung.

 

Um Aufblühen zu können brauchen wir ja eine gewisse Basis und Stabilität in uns. Welche Rolle spielt da der Beckenboden?

Eine sehr große Rolle, meiner Meinung nach. Sowohl rein physiologisch hilft uns der Beckenboden uns aufzurichten und das Becken in die richtige Position zu bringen und zu stützen. Aber auch im energetischen/emotionalen Sinn steckt in unserem

Beckenboden ganz viel unseres Urvertrauens und dadurch auch ganz viel Stabilität. Wenn wir uns wieder mehr mit unserem Beckenboden verbinden, dann haben wir wieder mehr das Gefühl, dass wir bei uns sind und haben das Gefühl wir sind

verankert mit der Erde und haben das Gefühl zum Kreislauf des Lebens dazuzugehören.  Das Gefühl fehlt vielen Menschen. Dieses sich im Innen zu Hause zu fühlen und zu wissen ich bin gut so wie ich bin und mein Leben ist gut so wie es

ist, ich bin gehalten und getragen, also genau das, was der Beckenboden physiologisch leistet, können wir auch emotional empfinden, wenn wir uns damit mehr auseinandersetzen. Leider sind viele von uns mittlerweile sehr abgeschnitten

und ich höre häufig von meinen Kundinnen, dass sie keinen Zugang zu ihrem Becken haben.

 

Was hast du für dich gemacht oder was machst du mit deinen Kundinnen, um erstmal wieder in das Becken einzutauchen?

Ich arbeite sehr gern mit unterschiedlichen Übungen und Möglichkeiten, weil es auch jedem anders leicht fällt. Ich arbeite auch viel mit Bildern und der Atmung. Gerade für den Atem nehme ich mir sehr viel Zeit. Sich erstmal so fallen lassen zu könne, so dass man überhaupt erst ins Becken atmen kann, bedarf auch Übung. Aber auch von außen arbeite ich gern, indem ich meine Kundinnen zum Beispiel bewusst die Sitzbeinhöcker auf dem Boden spüren lasse. Auch spielerische kleine Bewegungen mit dem Becken nutze ich gern dafür, da dies vielen oft leichter fällt. Bei der anatomischen Becken Erklärung nehme ich auch gern ein Modell dazu und lade die Menschen gern dazu ein auch bei sich selber einmal diese Punkte zu

ertasten. Genauso lasse ich meine Patienten*innen gern die Muskulatur und das Becken abklopfen. Sich selber berühren ist ein sehr guter Weg wieder bei sich anzukommen. Auch das kann einigen Menschen schwerfallen, weil‘s einfach ungewohnt ist. Gerade der Bereich Becken und Bauch ist für Frauen ein sehr großes Thema, vor allem wenn eine Schwangerschaft im Spiel ist, da sich dort dann natürlich auch einiges verändert hat. Dadurch, dass der flache Bauch für viele Frauen ein Schönheitsideal ist, fällt es vielen Frauen schwer den Bauch gezielt weich werden zu lassen, weil man es einfach gewohnt ist den Bauch einzuziehen und somit auch anzuspannen. Hier ist der erste Schritt dann immer das aktive und bewusste loslassen.

 

Wie sieht intuitives Bewegen aus?

Rein theoretisch kannst du das aus jeder Ausgangsposition machen. Ich selber gebe gern ein paar Anweisungen, dass man zum Beispiel im Vierfüßlerstand beginnt mit der klassischen Katze/Kuh-Bewegung. Also zu Beginn gebe ich ein paar

Anweisungen und lasse die Bewegungen sich dann ändern, dass ich zum Beispiel sage sie sollen das Becken kreisen lassen. Ich gebe also einige Einladungen für Bewegungen und lasse aber meinen Klienten*innen auch genug Raum sich in ihre

eigenen Bewegung hineinzufühlen. Wenn du das zu Hause aus einer bestehenden Übung machen möchtest, kannst du

dich, wenn du beispielsweise in der Krieger Position bist deine Bewegungen einfach fließen lassen. Dich zum Beispiel mit der Einatmung mehr ein zu rollen und mit der Ausatmung mehr zu strecken. Du kannst auch die Augen zu machen und dich

voll und ganz nur auf deine Bewegung konzentrieren und daran, wonach deinem Körper gerade ist.

 

Wenn ich beginne mich den Bewegungen hinzugeben kommen mitunter auch Schamgefühle oder andere Emotionen hoch. Was erlebst du da bei deinen Klienten*innen?

Es ist definitiv auch zeitgleich Emotionsarbeit. Denn gerade in unserem Becken stecken sehr viele nicht gefühlte Emotionen. Und bei der Arbeit kann es sein, dass gewisse Emotionen hochkommen, die man sich dann anschauen kann. Auch ich zum Beispiel bin noch nicht an dem Punkt, dass ich meine Plautze hängen lassen kann ohne, dass sie mich stört oder ich zu 100% glücklich damit bin, aber ich kann meinen Bauch eben komplett entspannen und mich so akzeptieren, wie ich bin. In der Zusammenarbeit entsteht auch oft ein Gruppengefühl, weil man gemeinsam durch dieses Gefühl geht und merkt, dass es sich schön und gut anfühlt, wenn man sich komplett entspannt und sich eben auch erlaubt in die Weichheit und auch die

Akzeptanz zu kommen. Wenn wir an uns runter gucken, dann haben wir alle oft eine Vorstellung davon, wie unser Bauch auszusehen hat. Und an dieser Stelle möchte ich gern einmal alle dazu einladen, ihre Augen zu schließen und einfach einmal darauf zu achten, wie sich ihr Körper denn überhaupt anfühlt. Denn wenn wir unsere Augen schließen und einfach nur fühlen, merken wir oft, dass es sich gut anfühlt. Der Moment geht dann meist vorüber, sobald wir unsere Augen öffnen und in Spiegel schauen und wieder der Meinung sind, wir müssten unseren Bauch anspannen, damit er fester und flacher aussieht.

Denn wenn ich feststelle, dass diese Weichheit die ich spüre, etwas Tolles ist, dann hilft es mir auch bei Hinschauen und da dann zu sagen „das bin ich und es ist gut, so wie es ist!“. Bewegung bzw. Sport muss auch nicht immer anstrengend sein, es darf mir guttun und es darf Wellness sein. Es ist in Ordnung, wenn ich nach der Stunde aus dem Raum schwebe, weil ich meinem Körper etwas Gutes getan habe. Training muss nicht immer hart sein, damit es sich lohnt. Bewegung darf Freude machen und sich auch sinnlich anfühlen. Es ist zudem ja auch viel wahrscheinlicher, dass ich die Bewegungen, wo ich mich währenddessen schon sehr gut fühle, auch weiterhin mache.

 

Glaubst du der Stress der Pandemie und dieses sich nicht mehr so frei fühlen, macht das etwas mit der Magie des Beckenbodens?

Wenn wir es zulassen, dann mit Sicherheit. Es kann aber auch andersherum auch eine ganz schöne Möglichkeit sein mit der Pandemie für sich selber anders umzugehen. Natürlich sind einige mehr oder weniger betroffen, aber ich persönlich fahre ganz gut damit, mich von all dem einfach dennoch nicht zu sehr vereinnahmen zu lassen. Ich glaube das diese kollektive Angst, die vorherrscht und diese Mehrbelastung, die alle seit zwei Jahren tragen müssen, sich auf unsere Leichtigkeit

auswirkt. Ich glaube auch, dass viele Menschen vor zwei Jahren weit mehr mit sich selber im Kontakt waren, als sie es jetzt sind. Ich glaube auch, dass einfach mal zum Beispiel in den Wald zu gehen und auf den Boden zu stampfen, um sich zu erden, viel mehr bringt, als nur zu meditieren, denn das findet dann ja auch wieder „nur“ im Kopf statt. Und gerade das spüren nach

unten, fällt viele Frauen schwer, daher ist es hier gut in wirkliche Aktion zu treten.

 

Hast du auch manchmal das Gefühl, dass diese Körperarbeit, im Yoga auch gern als Basis oder erstes Chakra bezeichnet, oft etwas stiefmütterlich behandelt wird?

Ich hatte genau zu diesem Thema gerade ein Gespräch. Viel Arbeit findet in unseren Köpfen statt und wenn ich die Wurzeln nicht habe, dann neige ich dazu abzuheben. Oben im Kopf wirkt alles hell – wie die Erleuchtung - und unten alles dunkel. 

Und genau da sind wir ja aber in den ungefühlten Emotionen, an den Traumata, die wir erlebt haben, unser Urvertrauen ins Wanken gebracht haben und dann eventuell auch hochkommen. Natürlich reicht es da nicht einfach ein paar Mal ins Becken zu atmen und schon ist alles gut, aber dennoch müssen diese Emotionen ebenfalls Beachtung finden. Menschen neigen dazu, wenn sie sich mit Persönlichkeitsentwicklung beschäftigen, nur mit dem oberen Teil, also dem hellen, im Kopf stattfindenden teil zu beschäftigen, aber wenn die Basis nicht da ist, dann ist das eben auch nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Es ist natürlich leichter sich mit dem „hellen, glitzernden“ zu entscheiden, als sich einfach mal in die Dunkle und Stille zu begeben und auch einfach mal unschöne Emotionen zuzulassen. Aus meiner eigenen Erfahrung heraus, weiß ich auch, dass wenn man einmal die Büchse der Pandora geöffnet hat, da oft auch viel mehr noch zum Vorschein kommt. Und dass dies auch wiederum rum und Zeit braucht, um sich damit auseinanderzusetzen und zu heilen. Das heißt, wenn ich gerade sowieso sehr gestresst bin und eigentlich gar nicht weiß, wo mir der Kopf steht, dann ist das auch nicht der richtige Zeitpunkt um mit dieser Arbeit an sich selbst zu beginnen. Arbeit an der Seele kostet immer auch Raum, Zeit und Energie. Wenn man sich dann dazu entscheidet, einmal komplett aufzuräumen, ist es häufig auch sehr sinnvoll sich dabei Hilfe zu holen. Man muss nicht alles alleine machen. Wichtig ist nur zu wissen, dass die helfenden Personen einem die Arbeit an sich selbst zwar nicht abnehmen können, sie können dich aber halten und begleiten, damit auch in diesem Prozess ein Gefühl der Sicherheit und Geborgenheit entsteht.

 

Hast du abschließend noch etwas zu sagen Sarah?

Die Magie des Beckens will erlebt werden. Da darf sich jede/r auf einen ganz individuellen Weg machen und einfach schauen, wo uns der Weg hinführt. Und wie schön dieser Weg auch sein kann, vermutlich nicht immerzu, aber dennoch sollte man auch die Reise genießen. Der Weg ist das Ziel. Ich glaube viele Menschen wissen auch einfach nicht, wie viel Magie im Becken

stecken kann und wie sehr das mit unseren Wurzeln zusammenhängt und ich glaube schon, dass wenn man das erstmal hört und dann beginnt da einzutauchen, dass da wirklich ganz viel Magie passieren kann und wird, wenn wir uns bewusst dafür

Räume aufmachen.

 

Machst du dazu Online Workshops oder Kurse? Wie kann ich jetzt einsteigen?

Ich gebe schon seit Jahren Beckenboden Workshops und Kurse und lasse das immer mehr in alles, was ich so mache mit einfließen. Ich habe mir aber gerade erst einen neuen Kurs überlegt, gerade weil es so individuell ist. Diesen Kurs habe ich

Beckenboden Bliss genannt und dieser Kurs funktioniert auch online ganz gut. Das Paket beinhaltet 3 x 60 Minuten und am Ende gibt es entweder einen Flow oder eine von mir eingesprochene Meditation zum Dranbleiben. Ganz individuell, je nachdem, was der Patientin am besten tut, um nach den drei Einheiten auch dran zu bleiben.


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